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Freie Presse vom 20.10.2010

Nach gelungenem Auftakt vage Hoffnungen

Freie Presse vom 20.10.2010 Eistanzen: Nelli Zhiganshina und Alexander Gazsi fühlen sich als Schauspieler auf Kufen wohl - Trainingsbedingungen in Oberstdorf optimal

Oberstdorf/Chemnitz. "Ringsum die Berge sind schneebedeckt, es ist ein wunderschöner Tag mit Sonnenschein", schwärmte Alexander Gazsi gestern am Telefon vom Wetter in Oberstdorf. Viel Zeit zum Genießen blieb ihm und seiner Eistanzpartnerin Nelli Zhiganshina jedoch kaum, nur ein wenig auf dem Weg zwischen Trainingshalle und der gemeinsamen Wohnung. Denn derzeit bestimmen intensive Übungseinheiten den Tagesablauf des Chemnitzers und der Moskauerin, die seit reichlich einem Jahr ihr sportliches Domizil im Allgäu aufgeschlagen haben und vom russischen Coach Rostislav Sinizin betreut werden..

"Die Bedingungen sind super, einfach anders. Wir können viel trainieren, uns auch entsprechend ausruhen. Die Ruhe gefällt mir schon", meinte die 23-Jährige zufrieden. Sie zog auch Vergleiche zur russischen Metropole, wo beide lange Zeit (2005 bis 2009) ihrer Leidenschaft nachgingen und sie im Sommer ihr Sportstudium mit dem Diplom abschloss. Allein bis zu zwei Stunden waren sie täglich mit der U-Bahn unterwegs, auch sonst verlief alles viel hektischer. Und wenn jetzt doch mal die Sehnsucht nach einer großen Stadt aufkommt, fahren beide mal nach München oder Kempten, aber nicht jetzt mitten in der Saison.

Denn nach den äußerst gelungenen Auftaktwettkämpfen möchten sie sich weiter so steigern, dass sie auch bei den Welt- und Europameisterschaften wieder präsent sein dürfen. Bei der stark besetzten Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf belegten sie einen viel beachteten vierten Rang, beim Ondrej-Nepala-Memorial in Bratislava wurden sie Dritte. Bemerkenswert, dass sie in der technischen Bewertung jeweils die höchste Punktzahl aller Paare erhielten. Das hatten sie so nicht erwartet, gab beiden viel zusätzliche Motivation. Denn in den zurückliegenden zwei Jahren war es zeitweise sehr schwierig, diese überhaupt zu finden. Obwohl sie international viel Anerkennung spürten, wurden sie bei den deutschen Meisterschaften in ihrer nach wie vor sehr subjektiven Disziplin mehrfach von den Preisrichtern benachteiligt. So fehlten sie bei EM (wie 2008) und WM, wo nur ein Duo startberechtigt war.

Dieses Mal stehen die Chancen, nach 2007 erneut den Titel zu erkämpfen, indes sehr gut. Christina und William Beier, die in der Vorsaison ein starkes Comeback feierten, beendeten ihre Laufbahn nun definitiv. Die Geschwister Caroline und Daniel Hermann, die 2008 plötzlich vorn lagen, sind zwar nach einer kurzzeitigen Trennung wieder zusammen, bei Wettkämpfen aber noch nicht aufgetaucht. Als neue Kontrahenten kommen Stefanie Frohberg und Tim Giesen, bisher bei den Junioren beachtlich, hinzu. "Wir sind gebrannte Kinder, haben es selbst nicht in der Hand und können so nur das Beste hoffen", beschreibt Alexander Gazsi die Gefühlslage.

Nach den Rückschlägen fanden sie aus mehreren Gründen irgendwie dennoch immer zurück. "Wir haben schon so viel für unseren Sport gegeben und merken, dass wir mit unserem Potenzial noch nicht am Ende sind", zählte der 26-Jährige auf. "Und wir spüren immer wieder, dass wir auch beim Publikum gut ankommen", ergänzte Nelli Zhiganshina. Deshalb präsentieren sie sich in ihren Programmen wieder ganz bewusst als Schauspieler auf dem Eis, einmal in den Rollen als Clowns, einmal als Puppen. Das liegt ihnen. Mit einer ganz außergewöhnlichen Flugnummer, die sie mit Zirkus-Artisten in Moskau einstudierten, verblüffen sie zudem im Schaulaufen. "Das könnte auch in naher Zukunft mal ein Standbein für uns werden", blickte der Chemnitzer voraus. Denn finanziell leben beide derzeit nur "von der Hand in den Mund", einzig von der Unterstützung, die er als Mitglied der Bundeswehrsportfördergruppe erhält. Doch auch diese Situation bremst ihren Elan nicht.

Und wenn die Saison weiter erfolgreich verläuft, dann könnten sie einen wichtigen Grundstein für ihr großes Ziel, einen Olympiastart 2014 in Sotschi, legen. Vorausgesetzt, bis dahin wäre ein weiteres Problem - der fehlende deutsche Pass für die gebürtige Russin - gelöst.

Von Martina Martin
Erschienen am 20.10.2010

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