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Interview mit figureskating-online.com

Oberstdorf July 2010

Q: Vor fast einem Jahr seid ihr nach Oberstdorf gekommen. Wie fällt eure bisherige Bilanz aus?

Alex: Yo, der Sonnenschein hat überwogen (lacht). (Die Bilanz ist) positiv auf jeden Fall. Ich persönlich bin überrascht, dass man es so lange an einem Stück in Oberstdorf aushalten kann. (lacht). Nein, ich meine weil ich in früheren Zeiten dann doch eher negative Erfahrungen gemacht habe. Wahrscheinlich hängt das mit den Lehrgängen zusammen. Also meine Bilanz fällt positiv aus

Nelli: Meine Worte, würde ich sagen! Man kann alles hier machen, eine gute Eishalle ist hier und gute Eismeister.

Alex: Ja, die Eismeister sind großartig!

Nelli: Hier sind die besten Eismeister in Deutschland! Mir gefällt alles hier.. die Berge...die gute Luft!

Q: Wie war der Kontrast zu Moskau?

Nelli: Angenehm! Hier ist nicht so viel Stress

Alex: Ich vergleiche es immer damit, als wenn du auf der Autobahn bei 200 km/h die Handbremse ziehen würdest, so ungefähr wäre das. Also komplett anders! Aber es ist schön. Wir haben die Fahrerei mit der Metro nicht mehr, du setzt dich auf das Fahrrad, und gleich bist du in der Eishalle. Das anderthalb Stunden Metrofahren fällt weg.

Nelli: Ich war überrascht. Ich dachte früher, dass ich Stress brauche, die große Stadt und das Hin- und Herfahren. Aber jetzt verstehe ich, dass ich das gar nicht brauche. Hier es es so schön ruhig.

Q: Dann habt ihr euch gut eingelebt?

Alex: Ja gut! Doch! Es läuft! Ich verlaufe mich mittlerweile auch ziemlich wenig in Oberstdorf (lacht).

Q: Was vermisst ihr am meisten und was am wenigsten?

Alex: Am wenigsten die Metro, die laute Metro.

Nelli: Ja, und den Stau!

Alex: Am meisten vermisse ich, dass man nichts bekommt, wenn einem nachts um zwölf oder um drei einfällt, irgendwas einzukaufen oder wenn man irgend etwas braucht. Das muss man sich vorher überlegen. Oder auch am Sonntag. Man gewöhnt sich nämlich ziemlich schnell daran, dass (in Moskau) auch am Sonntag alle Läden geöffnet sind. Umgekehrt ist es schwerer.

Nelli: Für mich ist das gar kein Problem: Kaufen, Shoppen usw! Ich vermisse meine Eltern natürlich und meinen Bruder, die Familie, Moskau nicht.

Q: Im vergangenen Jahr seid ihr erst spät in die Saisonvorbereitung eingestiegen. Wie läuft die Vorbereitung diesmal? Wie weit sind die Programme gediehen?

Alex: Dieses Mal ist es umgekehrt! Wir sind sehr früh dran.

Nelli: Wir sind eigentlich schon fertig. Alle Programme sind aufgebaut. Aber vielleicht müssen wir etwas ändern.

Alex: Ja, es gibt Diskussionen wegen der neuen Regeln. Da müssen wir vielleicht dann nochmal was machen. Aber grundsätzlich ist eigentlich alles fertig, und wir müssen es nur noch laufen. Abgenommen ist es im großen und ganzen, auch die technischen Werte, also alle Elemente sind soweit in Ordnung.

Q: Mit wem habt ihr eure Programme aufgebaut und woran habt ihr mit Maxim Staviskij gearbeitet, als er jetzt in Oberstdorf war?

Alex: Die Kür haben wir mit Max in Moskau und den OD mit Herr Sinitsyn aufgebaut. Wir hatten einen Monat Zeit, um die Kür so zu laufen und zu probieren, was eben klemmt und wo es klemmt. Und Max ist jetzt noch einmal gekommen, um genau diese Stellen zu verbessern bzw. zu ändern. Und um uns einfach ein bisschen in den Arsch zu treten.

Q: Verratet ihr uns die Programme?

Alex: Na ja, wir müssen ja vielleicht noch etwas ändern. Unser OD ist halt lustig. Wir wollten ganz klar weg von diesem Standardwalzer. Wir haben Clown-Musik genommen, um alles ein bisschen fröhlich zu gestalten und möchten auch mit dem Kostüm in diese Richtung gehen, falls das die Regeln hergeben. Die Regeln sind in dieser Saison ja wieder sehr streng. Was die Kür angeht: wie gesagt mal gucken.

Q: Wie sieht die Saisonplanung aus?

Alex: Als erstes steht die Nebelhorn-Trophy auf dem Plan. Bis zum 31. Oktober müssen wir für den Kadernachweis die Auflagen erfüllen und in diesen Zeitraum fallen nur zwei Wettkämpfe: die NHT und Bratislava. Das werden wir machen. Und dann ist natürlich das Ziel die EM mit der Qualifikation, wie die DEU sich das vorstellt und geplant hat.

Q: Womöglich starten bei der DM nur noch zwei Tanzpaare statt vier, wie alle ursprünglich dachten. Wie überrascht wart ihr von der Trennungsabsichten der Hermanns und dem möglichen Rücktritt der Beiers?

Alex: Der Rücktritt von Beiers hat mich jetzt nicht wirklich überrascht. Es gab ja letztes Jahr schon Anzeichen dafür. Ich denke, dass die letzte Saison für sie optimal lief, das muss man ganz klar sagen. Sie sind gekommen, sind zu den Olympischen Spielen, haben das alles gemacht. Deswegen! Was uns ein bisschen überrascht ist, dass es am Anfang so aussah, dass sie es nochmals durchziehen., da sie Maxim haben kommen lassen und die Programme aufgebaut haben. Es sah also anfangs so aus, als läuft alles normal. Aber es scheint dann doch nicht so gewesen zu sein, er hatte gesundheitliche Probleme und es ist schade, wenn man deshalb aufhören muss. Aber eigentlich überraschend war es eigentlich nicht so nach einer so guten Saison. Sie haben ihren Abschluss mit Olympia gehabt, da ist das verständlich. Was Hermanns betrifft war das überraschend. Aber es schaut ja momentan so aus als wäre alles behoben, es kämpfen ja alle um das Paar. Da denke ich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Q: Ihr habt diese tolle akrobatische Flugnummer für Schaulaufen einstudiert. Wie seid ihr darauf gekommen? Wie gefährlich ist das?

Alex: Darauf gekommen sind wir vor zwei Jahren nach der großen Enttäuschung bei den Deutschen Meisterschaften. Als die Saison im Prinzip zu Ende war und wir nach Moskau zurückgekommen und in ein ziemlich großes Loch gefallen waren. Alle anderen haben ja weiter trainiert, und die Trainer hatten wenig Zeit sich um uns zu kümmern. Das war ja klar, denn das Leben ging ja weiter für alle anderen. Sie hatten sich schön vorbereitet und wir saßen da und haben nichts gemacht. Und direkt darauf gekommen sind wir dann durch Zufall über Bekannte. Das ist das Gute an Moskau, weil es dort so viele Menschen gibt und immer irgendwer irgendjemanden kennt und alles da ist, was man braucht. Es ist wirklich ein ganz großer Vorteil von Moskau, dass man eben zig Ballettleute hat, zig Artisten, und du findest immer jemanden. Dann haben wir einfach um uns selbst aus diesem Loch ein bisschen rauszuziehen und um uns mit anderen Sachen zu beschäftigen, angefangen mit Zirkusleuten zu arbeiten. Das war sehr interessant und dann ging es ziemlich schnell in die Richtung "lass uns das doch machen fürs Eis", um etwas Besonderes zu machen, um interessant zu sein für Schaulaufen, um eingekauft zu werden, um einfach auch ..das muss man ganz klar sagen... um nebenbei Geld zu verdienen. Die finanzielle Situation ist ja nun nicht wirklich rosig. Ja, es lief halt ganz gut. Wir haben uns nicht ganz so blöd angestellt, und die Spezialisten waren alle an der Hand. Wir haben in Moskau in der Zirkusschule gearbeitet. Die haben uns dann die Maschine gebaut und uns vorbereitet. Das ging ratz fatz und nach einem Jahr hatten wir schon die Premiere letzten Winter.

Nelli: Es war sogar weniger als ein Jahr! Es war immer mein Traum seit meiner Kindheit. Ich wollte so etwas immer machen. Als ich das erste Mal von Alex hörte, dass wir das vielleicht machen, war ich so sehr überrascht: "Oh Gott, mein Traum wird wahr!!!"

Q: Wie gefährlich ist es?

Alex: Es ist definitiv gefährlich, ganz klar. Hier in Oberstdorf ist die Halle nicht so hoch, da fliegen wir nicht ganz so hoch. Aber bei den größeren Hallen ist die Decke etwa 20 Meter hoch denke ich und wir sind bis auf ca. 9 Meter hoch gewesen. Wir achten darauf, dass alles von der technischen Seite her in Ordnung ist. Es ist ein ziemlich hoher technischer Aufwand mit den ganzen Verbindungen, den ganzen Kabeln und allem was dazu gehört. Wir sind von Anfang an darauf gedrillt worden, dass man eben immer wieder die Tests und Checks macht, bevor man auf das Eis geht und sich immer wieder jeden Handgriff anguckt. Wir tun alles, um das Risiko auszuschalten.

Q: Philipp Tischendorf als Assistent macht seine Sache ja auch sehr gut!

Alex: Ja, die dritte Person, die immer an der Maschine steht....

Nelli:...die ist die wichtigste Person!

Alex: Ja, das ist die wichtigste Person, weil er einfach auf uns reagieren muss. Weil wir da unten in der Hektik, das muss man auch dazu sagen, manchmal Sachen einfach gar nicht mitbekommen, die er aber von oben sieht und es gut ist, dass er die sieht. Wenn die Hand eben nicht richtig drin ist oder wenn man nicht richtig fertig ist oder solche Sachen. Wir sind mittlerweile ein ganz gut eingespieltes Team und es funktioniert sehr gut.

Q: Wenn Philipp mal keine Zeit haben sollte, dann wird es schwierig?

Alex: Tja, das ist dann definitiv schwierig! Wir gehen zur Zeit davon aus, dass wir eben diese Nummer nur zu dritt machen können, so wie sie ist. Falls Philipp nicht kann, dann müssten wir umplanen und jemand anderen einspannen. Aber sehr ungern natürlich.

Nelli: Das kann auch nicht jeder machen, das ist schwer!

Alex: Ja, es ist für die Person, die da hinter dem Ding steht ganz klar eine Verantwortung und es muss charakterlich passen. Sie darf sich nicht ablenken lassen und muss sich konzentrieren können. Das ist am besten jemand, der selbst ein Läufer, ein Künstler ist. Weil der ungefähr weiß: "aha, hier Musik und so". Mit jemandem von der Straße, das würde nichts! Mit Philipp haben wir einen guten Griff gemacht, er vereint das alles. Er ist schön ruhig, er macht keinen Stress, er lässt sich nicht ablenken. Er kennt teilweise sogar das Programm besser als wir, weiß besser als wir, wann wir hoch müssen und so. Er hat das wirklich sehr gut im Griff.

Q: Alex, du bist ja bei der Bundeswehr?!

Alex: Jawohl!!

Q: Nelli, du hast gerade dein Studium abgeschlossen?!

Nelli: Ja, Gott sei Dank!

Q: Möchtest du neben dem Eis etwas machen?

Nelli: Auf jeden Fall möchte ich Sprachen lernen. Neben dem Eislaufen bleibt nicht so viel Zeit, gucken wir mal.

Alex: Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir uns jetzt langsam für die Zukunft Gedanken machen müssen.

Nelli: Ja, wir müssen auf jeden Fall etwas machen

Alex: Diese Idylle in Oberstdorf ist ein bisschen trügerisch, was das angeht. Man verfällt ziemlich schnell in einen extremen Trott, weil hier alles schön ist und alle Bedingungen optimal sind. Hier geht es einem einfach gut, und das verleitet sehr schnell dazu, alles andere zu vergessen. Diese ganzen Probleme, die Alltagsprobleme! Der erste Schritt war natürlich der mit der Nummer, jetzt für die nahe Zukunft, für die Zukunft die jetzt direkt ansteht. Dass man etwas hat, womit man sich ein Zubrot verdienen kann. Aber es ist auch klar, dass man das nur eine gewisse Zeit machen kann.

Q: Was macht ihr hier in Oberstdorf überhaupt so neben dem Eis? Welche Hobbies habt ihr?

Alex: Schlafen!!! (lacht) In Oberstdorf kann man so viele Sachen machen.

Nelli: Zum Beispiel Bergwandern.

Alex: Wir waren bisher erst einmal auf dem Berg, und das war ganz schön anstrengend.

Q: Auf welchem?

Alex: Auf dem Rubihorn! Dann haben wir zwei Tage im Bett verbracht (lacht).

Q: Auf dem Nebelhorn wart ihr sicher auch schon?

Alex: Ja klar, aber hochgefahren! Gelaufen noch nicht! Also neben dem Eis... der Tag ist eigentlich recht gut verplant dadurch, dass wir das Training komplett auseinander gezogen haben, weil wir die Möglichkeit dazu hatten. Wir haben jetzt die Wohnung eingerichtet und da haben wir immer noch zu tun. Wir haben immer noch keine Lampen an der Wand!

Q: Dann wünsche ich euch alles Gute für die kommende Saison und bedanke mich für das Interview.

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